Madge Gill – Alfred Kremer

Ein Dialog

14. September bis 05. Oktober 2013

Anlässlich der Open Art ist die Galerie am
Samstag, den 14.9. und Sonntag, den 15.9. von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Alfred Kremer, danseuse espagnole, 1963, Tempera auf Papier, ca. 26 x 16 cm

Alfred Kremer, danseuse espagnole, 1963, Tempera auf Papier, ca. 26 x 16 cm

 

Myrninerest, so nennt Madge Gill (1882–1961) den Geist, der ihr während des nächtlichen Zeichnens erscheint. Es entstehen Schriften und Stickereien, und in der Fläche des Blattes erfüllt sich diese Dichte einer Fädelung durch ihre Stilistik der Zeichnung. Sie sind engstens gefügt und bestechen durch ihre unmittelbare Präsenz. Madge Gill ist zu keinem Zeitpunkt daran interessiert „Kunst“ zu schaffen. Von dem Phantom Myrninerest getrieben, bilden die Arbeiten eine Art Schutzwall gegen eine äußere Welt. 1932 sind erstmals Bilder von ihr in einer von der Whitechapel Gallery organisierten Ausstellung zu sehen. Die Bekanntheit ihres Werkes wächst stetig, wobei eine breite Anerkennung erst nach ihrem Tod durch eine Ausstellung in der Grosvenor Gallery 1968 einsetzt. Heute gehören ihre Arbeiten zum festen Kanon der „British Outsider Art“.

Was Alfred Kremer (1895–1965) in Weilheim, ganz im Verborgenen, binnen der Jahre 1962 bis 1965 erschafft, ist in ähnlicher Weise beeindruckend: Ohne Tabuisierung erfindet er – ein klassisch akademisch geschulter Maler – mit seinen „Gestalt-Zeichen“ einen eigenen, oft irritierenden Bilderkosmos. Er ist geprägt von seinen katholischen Wurzeln, speist sich aber im Wesentlichen aus der Ablehnung dessen Wertekanons. In mehrfacher Hinsicht lassen sich diese Schöpfungen als Votivbilder verstehen. Sie dienen der Abwehr und Heilung ebenso wie der Kanalisierung sexueller Phantasien. Aktuelles Tagesgeschehen wird genauso bildwürdig wie Motive von archaischer Strenge. Die Gestalt wird weitestgehend vereinfacht und wandelt sich zum Zeichen, das Welt gleichzeitig bannt und schöpft.

 

 

 

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