Norbert Kricke
(1922–1984)

Linie: Form der Bewegung

21. November 2013 bis 11. Januar 2014

Uli Zwerenz, Tusche und Aquarell auf Papier, 2013, 29,7 x 21 cm

Norbert Kricke, 64/021, 1964, Tusche auf Papier, 61 x 43,5

Der Titel zur Ausstellung – übrigens der ersten monographischen Kricke-Ausstellung in München seit 1953 (!) – stammt von Dr. Ernst-Gerhard Güse, dem langjährigen Leiter des Saarlandmuseums in Saarbrücken. Kürzer und prägnanter lässt sich die künstlerische Leistung von Norbert Kricke wohl nicht formulieren.

Kricke ist zeitlebens auf der Suche nach äußerster Verknappung der künstlerischen Mittel, ohne dabei den eigenen Körper, die Bewegungen oder spontane Impulse außer Acht zu lassen.

So entsteht ein Reichtum, eine Vielfalt an Plastiken und Bildern, die bei aller Präzision Raum für Erfindung lassen. Jede Linie wird in der Zeichnung skulptural behandelt, d. h. der Verlauf der Linie erzeugt eine maximale Spannung. Der Vorgang ist vergleichbar mit den Eigenschaften eines biegsamen, schmalen Stahlblechs, welches – an beiden Enden gehalten – gedreht und gebogen wird. Doch nur mit großen Hebeln und Übersetzungen, die offenbar außerhalb des Bildes ansetzen, beziehen die Linien ihre Spannkraft.

Bereits Anfang 1950 verlässt Kricke die üblichen Pfade der Auffassung von Plastik – er selbst nennt sie „Raumplastik“ – als einem Gebilde mit Körper und Volumen. Der Künstler setzt dieser Vorstellung die Ausdehnung der Linie im Raum entgegen. Kricke bringt es zu einer unglaublichen Meisterschaft, die Linien seiner Plastiken wie im Raum kristallisieren zu lassen. Sie besitzen natürlich Anfang und Ende, dennoch weisen sie aufgrund der Spannkraft jeder Linie weit über sich hinaus und schaffen somit eine Aura, die dieser Art von minimalem Konzept eigentlich nicht zuzutrauen ist.

 

 

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